Als „Conal“ 1981 beim norwegischen Independent-Label Uniton Records mit einer Erstauflage von 4.000 LPs erschien, war Schnitzler bereits längst über die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland hinaus bekannt und wurde nun weltweit als Medienkünstler und Musiker geschätzt. Neben den zahlreichen Kassetten- und LP-Ausgaben, die er selbst veröffentlichte, brachten nun vermehrt auch internationale Labels seine Musik heraus. Im selben Jahr wie „Conal“ erschien beispielsweise das Album „Control“ beim amerikanischen Label DYS, gefolgt 1986 von „Concert“ in den USA und „Consequenz 2“ in Spanien. Schnitzler arbeitete unermüdlich, und sein Gesamtwerk, einschließlich seiner Musik, wurde immer facettenreicher. „Conal“ ist ein gutes Beispiel für diese Entwicklung.
Die Titel fast aller Schnitzler-Alben beginnen mit der Silbe „Con…“, die üblicherweise durch eine sinnvolle zweite Silbe ergänzt wird. „Conal“ scheint eine Ausnahme zu sein, denn welchen Sinn ergibt die Silbe „…al“ in Verbindung mit „Con…“? „Conal“ könnte genauso gut der Name eines Medikaments oder eines Holzleims sein. Wie Schnitzler auf diesen seltsamen LP-Titel kam? Wir wissen es nicht. Wichtiger als diese Frage ist jedoch die Musik des Albums, die ebenfalls etwas Ungewöhnliches für Schnitzler aufweist. Die beiden jeweils etwa 21-minütigen Stücke („N1“ und „N2“) sind nicht aus einem Guss, sondern bestehen aus mehreren, ineinander übergehenden Teilen, die im Booklet nicht als solche gekennzeichnet sind. Diese Abfolge erzeugt den Charakter einer in mehrere Kapitel unterteilten Erzählung, die dem Hörer jedoch keine konkrete Handlung bietet. Schnitzler war kein Geschichtenerzähler. Wenn er lange Stücke in klar unterscheidbare Abschnitte unterteilt, wie hier in „Conal“, geschieht dies, um eine Art Panorama seiner aktuellen Schaffensphase in komprimierter Form zu schaffen. Die Komplexität der einzelnen Abschnitte und die außergewöhnlich gekonnten und technisch makellosen Überblendungen und Schichtungen lassen vermuten, dass „Conal“ erneut in Peter Baumanns Studio entstanden ist. Obwohl die gute Beziehung zwischen den beiden Musikern nie zu einer musikalischen Zusammenarbeit führte, stellte Baumann Schnitzler wiederholt sein hervorragend ausgestattetes Paragon Studio zur Verfügung. Es ist auch denkbar, dass Baumann und sein brillanter Toningenieur Will Roper wertvolle technische Anregungen für die Umsetzung von Schnitzlers Musik gaben.
„Conal“ (Reissue VÖ: 10.07.26/Bureau B) gehört zu jenen Alben, die Schnitzler-Fans bei ihrem Erscheinen Anfang der 1980er-Jahre positiv überraschten: Schnitzler hatte es erneut gewagt, einen künstlerischen Schritt nach vorn zu wagen. Es ist kaum zu glauben, dass dieser rastlose, kompromisslose Künstler in relativ kurzer Folge ein hochkarätiges Album nach dem anderen veröffentlichte. Denn er war nicht nur Musiker, sondern auch Medienkünstler, Performer und Autor kunsttheoretischer Texte.


