PISS ist eine raue, genreübergreifende vierköpfige Band aus Vancouver, British Columbia. Durch die Verbindung von Punk, Lyrik, Klangcollagen, Performance- und bildender Kunst schafft die Band ein multidisziplinäres Gesamtwerk, das die Grenzen zwischen dem Persönlichen und dem Politischen verwischt.
Angetrieben von durchdachtem musikalischem Können, energiegeladenen Live-Auftritten und einer glasklaren künstlerischen Vision, schreibt PISS Punkmusik, die darauf abzielt, die Beschränkungen eines etablierten Genres zu sprengen. Ihr Schaffen speist sich aus einer Reihe unerwarteter Einflüsse: literarische Größen, Philosophen, Filmemacher, Maler, Psychoanalytiker, Aktivisten, Kinder, Mitglieder einer deutschen anarcho-feministischen militanten Gruppe sowie Gespräche mit dem Publikum. Diese Stimmen repräsentieren unterschiedliche ideologische Ansichten zu geschlechtsspezifischer Gewalt und ermöglichen es PISS, Kunst zu schaffen, die schwierige und kontroverse Themen – wie sexuelle Gewalt und verinnerlichte Geschlechternormen – ohne Vereinfachung, Romantisierung, Polemik oder Dogmatismus darstellt.
Ihr Debütalbum *you made me / skin on linen* (VÖ: 30.10.26/Paper Bag Records (Kanada) und Sub Pop Records (weltweit)) schildert eine Kindheit, die von struktureller, systemischer und intimer Gewalt geprägt ist. Auf dem gesamten Album dienen Motive aus dem künstlerischen Schaffen als Metaphern für die vielfältige Art und Weise, wie wir die Auswirkungen dieser Gewalt in uns tragen: Jede Erfahrung hinterlässt einen Abdruck und formt oder verformt nach und nach das eigene Selbst – ähnlich einem Stück Ton, das durch jede Spur, die es empfängt, gestaltet wird. Das Album verweigert sich einfachen Schlussfolgerungen; statt eine einzelne Perspektive einzunehmen, untersucht es Gewalt als allgegenwärtigen Aspekt unserer Kultur. Es stellt Fragen – wie beeinflusst Gewalt unsere Entwicklung? Sind unsere Wunden untrennbare Bestandteile unseres Wesens? Und wenn nicht: Wo enden unsere Wunden, und wo beginnen wir? – und überlässt es den Hörerinnen und Hörern, eigene Antworten zu finden.
Die ersten Singles des Albums führen in verschiedene Bereiche dieser Welt ein und beleuchten jeweils einen anderen Aspekt der Erzählung, die sich über das gesamte Album entfaltet. „time loop at hot slit“ ist eine frenetische Noise-Punk-Auseinandersetzung mit dem Mädchensein in einer Kultur der Sexualisierung; der Song kombiniert einen tanzbaren Refrain mit geistreichen, poetischen Texten, die „voller Qual und unheimlicher Erotik herausgeschrien“ werden. „blocking a scene you can’t remember“ – der Slowcore-Song des Albums – lässt das Tempo bis fast zum Stillstand sinken und entfaltet sich als fragmentarische Probe für eine Konfrontation, die immer wieder durch Traumata unterbrochen wird. „Rote Zora. ‚Resistance is Possible.‘ Emma, Nr. 6. Juni 1984, S. 39–41.“ verwandelt das Transkript eines Archivinterviews mit der militanten deutschen feministischen Gruppe Rote Zora in einen Songtext für eine kakofonische Auseinandersetzung mit Widerstand, Handlungsfähigkeit und kollektivem Handeln. Schließlich verzichtet die sludge-artige Noise-Rock-Single „i wanted to be a singer“ auf Metaphern, literarische Stilmittel und erzählerische Kniffe; sie eröffnet das Album mit einer direkten Ansprache, die dazu auffordert, das Werk nicht als Unterhaltung, sondern als gelebte Erfahrung zu begreifen.
Während *you made me / skin on linen* als Tonträger existiert, war PISS darauf ausgelegt, live erlebt zu werden. Jede Performance vermittelt die Erzählung des Albums und bewahrt dessen emotionalen Spannungsbogen vom Anfang bis zum Ende, während sich das Werk gleichzeitig als ein sich stetig wandelndes Erlebnis entfaltet. Mit jeder Show verwandelt die Band den Veranstaltungsort in einen Raum, in dem Konfrontation, Katharsis, Reflexion und gegenseitige Fürsorge nebeneinander existieren können.
PISS gaben ihr Live-Debüt im April 2024 im „Red Gate“, einem DIY-Club in Vancouver, ohne große Ambitionen über den lokalen Rahmen hinaus. Doch der 30-minütige Auftritt fesselte das Publikum mit einem Set, das zwischen vernichtendem Noise, intimen Feinheiten, Spoken-Word-Samples und Momenten überwältigender emotionaler Entladung wechselte. Taylor Zantinghs eindringliche körperliche Präsenz fordert das Publikum heraus, über den passiven Medienkonsum hinauszugehen. Während sie auf dem Album schildert, wie Gewalt aus ihrer Vergangenheit ihre Gegenwart prägt, werden die Zuschauer bei der Live-Show zu aktiven Teilnehmenden und erleben in Echtzeit, wie sie die anhaltenden Auswirkungen von Traumata darstellt. Der erste Auftritt der Band löste eine Welle der Begeisterung aus, die sich von der lokalen Underground-Szene Vancouvers bis hin zu Publikum, Journalisten und Musikern auf der ganzen Welt verbreitete. Innerhalb von nur zwei Jahren spielten PISS ausverkaufte Headliner-Shows in acht Ländern, traten auf bedeutenden Festivals in Nordamerika und Europa auf und unterschrieben bei Sub Pop Records – und das alles noch vor der offiziellen Veröffentlichung ihrer Musik.
PISS besteht aus Taylor Zantingh (Gesang), Tyler Paterson (Gitarre), Gavin Moya (Bass) und Garreth Roberts (Schlagzeug). Die Band nahm ihr Debütalbum *you made me / skin on linen* im Januar 2025 gemeinsam mit Colin Stewart in den Hive Creative Labs auf.
Du findest im Anhang auch die aktuelle KEXP Session! Sie übermittelt mehr als Eindeutig die Kraft die von der Band ausgeht! Sehr Super sind die!


