Faust – Ungebunden (curated by Hans-Joachim Irmler):Fim Laufe der Jahre hat Faust viele Gestalten angenommen – so eigenständig wie die Finger einer Hand, und doch vereint wie die Hand, die sich zur Faust ballt. In dieser neuen LP-Reihe bei Bureau B (VÖ: 25.09.2026) präsentiert jedes noch lebende Mitglied der legendären Besetzung aus den Jahren 1971 bis 1974 seine ganz persönliche Interpretation des Faust-Mythos; ob allein oder in Zusammenarbeit mit anderen, es entsteht neues Material, das ihre heutige Vision dessen widerspiegelt, was Faust sein kann.
Seit mehr als einem halben Jahrhundert lotet Hans Joachim Irmler die äußersten Grenzen des Klangs aus.
Schon als Kind vernachlässigte er seine Flöte, um an den Saiten der Zither seiner Großmutter zu zupfen – wobei er sich auf der Suche nach mehr Resonanz und Lautstärke die Finger aufschnitt. Von der physischen Kraft des Klangs schon früh in den Bann gezogen, fand er schließlich in der Orgel sein Instrument; deren gewaltiges Klangspektrum bot schier unendliche Möglichkeiten. Noch heute tritt er auf jener Orgel auf, die er einst selbst gebaut hat. Indem er seine Klangpalette um Synthesizer, Bandmanipulationen und eigenhändig modifizierte Elektronik erweiterte, begriff Irmler Musik stets weniger als Komposition denn als Naturgewalt – eine Kraft, die sowohl den Interpreten als auch den Zuhörer überwältigen, desorientieren, destabilisieren und verwandeln kann.
„Ungebunden“ setzt diesen Weg fort. Das Album, das Irmler im Alleingang innerhalb von nur drei Wochen im Faust-Studio in Scheer aufnahm, betrachtet Faust nicht als Repertoire oder historisches Artefakt, sondern als ein fortwährendes Gefäß für reine Kreativität. Irmler arbeitet vorwiegend improvisatorisch; er beginnt mit kaum mehr als einer Richtung oder einem Impuls und lässt zu, dass das Material im Verlauf seiner Entfaltung seine eigene Logik offenbart.


